Das Wort vom „Mullahregime“
By Common-Man-In-Europe on Thursday, April 3 2008, 17:59 - Permalink
Wenn deutsche Medien vom „Mullahregime“ oder der „radikalen Hamas“ sprechen, soll dies weniger eine Information, als eine Wertung vermitteln. Auch dass sie den Vorwurf, der Iran wolle Israel von der Landkarte tilgen, auf einem Übersetzungsfehler begründen, sagt einiges über die Voreingenommenheit vieler Medien aus.
Von Ulrich Schwerin, 27. März 2008
In Zeitungen und Zeitschriften sind Worte für gewöhnlich nicht mehr als schwarze Buchstaben auf weißem Papier. Und doch bestimmen sie die Wahrnehmung der Wirklichkeit, da sie dem Leser die Welt vermitteln. In diesem Sinne ist Sprache ein Herrschaftsmittel, das nicht nur Ausdruck einer politischen Haltung ist, sondern auch die Sicht auf die Dinge mit prägt. Dies gilt in allen Bereichen und nicht zuletzt im Hinblick auf die Weise, wie deutsche Medien über den Islam und den Islamismus schreiben. Einige Beispiele:
ERSTENS. Seit der iranischen Revolution hat sich bis in die seriösen, deutschen Medien der Begriff „Mullahregime“ als Synonym für die iranische Regierung durchgesetzt. Der Begriff vermittelt das Bild, der Iran werde von einem Rat von Geistlichen beherrscht, fanatischer bärtiger Turbanträger, die politische Entscheidungen nach dem Koran treffen, da dies das einzige Buch ist, das sie kennen. Ein Bild, das dem komplexen System der Islamischen Republik aber kaum gerecht wird.
Denn wie die offizielle Staatsbezeichnung „Islamische Republik“ schon anzeigt, ist der Iran nicht einfach eine Theokratie, sondern enthält mit der regelmäßigen Wahl des Präsidenten und des Parlaments starke demokratische Elemente. Sicher sind die Wahlen weder frei noch fair, sicher hat mit dem Revolutionsführer Ayatollah Khamenei ein Geistlicher die oberste Macht, aber der Begriff Mullahregime ist weniger informativ als diffamierend gedacht. Und seitdem Ahmadinejad Präsident ist, weniger treffend denn je zuvor.
ZWEITENS. Die Hamas ist bekanntlich eine palästinensische Bewegung, die ideologisch den Muslimbrüdern verwandt ist und die mit politischen und militärischen Mitteln die israelische Besatzung Palästinas bekämpft. Anders als die Fatah-Bewegung, die sich angesichts ihrer Unfähigkeit, Israel gewaltsam zu besiegen, zu Verhandlungen bereit erklärt hat, setzt die Hamas weiter auf Konfrontation. Insofern handelt es sich ohne Zweifel um eine „radikale“ Organisation.
Ob es deshalb aber notwendig ist, der Organisation stets das Adjektiv „radikal“ voranzustellen, wie dies deutsche Medien tun, ist fraglich. Schließlich schreibt auch niemand, die „säkulare“ oder die „moderate“ Fatah, wobei beides auch zweifelhafte Attribute für eine durchaus religiös geprägte und keineswegs friedfertige Bewegung wären. Letztlich ist das Adjektiv „radikal“ weniger als zusätzliche Information über die mittlerweile hinlänglich bekannte Hamas gedacht, sondern allein als abwertender Ausdruck.
LETZTENS: Ob es sich um einen unglücklichen Übersetzungsfehler oder eine journalistische Zuspitzung handelte, sei dahingestellt, Tatsache ist jedoch, dass das von den westlichen Medien wiedergegebene Zitat Ahmadinejads „Israel muss von der Landkarte getilgt werden“ so nicht gefallen ist. Wie die Journalistin Katajun Amirpur kürzlich in der Süddeutschen Zeitung darlegte, muss die richtige Übersetzung seines Satzes lauten: „Das Besatzungsregime muss Geschichte werden.“
Ahmadinejad hat also nicht gefordert, Israel auszulöschen, sondern ein Ende der israelischen Besatzung Jerusalems verlangt. Nun hat sich Ahmadinejad niemals von diesem Zitat distanziert, sondern die Aufmerksamkeit, die es ihm im Westen eingebracht hat, so sehr genossen, dass er seine Angriffe auf Israel bei jeder Gelegenheit wiederholt hat. Ein Freund Israels ist er sicher nicht. Als Beweis für die ihm unterstellten Vernichtungspläne ist der Satz jedoch eine denkbar dürftige Grundlage.
Comments
Ich schlage dem Verfasser dieses Artikels vor, paar Monate im Iran zu leben. Dann würde er bestimmt seine oberflächliche Philosophie überdenken. Jedes Regime kann sich so nennen, wie er will. Wichtig ist der Inhalt und wie das Regime das Volk behandelt. Volksrepublik China, Deutsche demokratische Republik und sogar der Nationalsozialismus sind und waren keine schlechte Bezeichnung für die Staatssysteme. Wie die Handlungsweise war, wissen wir schon. Im Iran haben nie freie Wahlen stattgefunden und das bezeugen mittlerweile auch so harmoniebedürftige Europäer.
Als Perser kann ich außerdem bezeugen, dass die Übersetzung des Verfassers, was die Rede von Ahmadinedjad über Israel angeht, völlig falsch ist. Er hat ganz eindeutig gesagt, dass bald Israel aus der Landkarte ausradiert werden wird, ohne wenn und aber.
Als Iraner,und nicht Perser,(im Iran leben nicht nur Perser) (Pars) kann ich ihnen Versichern das er ohne wen und aber,nichts über ausradieren gesagt hat.
Ich kann mich Persil nur anschließen. Ahmadinejad hat niemals diesen Satz erwähnt.
Er hat auch niemals was gegen das jüdische Volk gesagt. Im Iran leben alle Religionsgemeinschaften nebeneinander. Die Synagogen müssen nicht wie es in Europa der Fall ist bewacht werden. Dort gibt es sowas nicht.
Das Problem von Shahroodma ist was ganz anderes, er nennt sich Perser um sich als was besseres darzustellen. Aber da er leider kein Erfolg hat und sieht wie die Islamische Republick Iran von Tag zu Tag mächtiger wird bekommt er Komplexe. Vielmehr handelt es sich bei Ihn um ein Terrorist die sich auch Mujahedine Khalk nennt. Kann jeder mal googeln. Selbt die USA nennen sie Terroisten. Also Shahroodma mach deine Terror- Werbung wo anders. Und versuch mal deine Komplexe im Griff zu bekommen. Oder muss du hier schleimen um deine Unbefristete Erlaubnis zu bekommen.
Einige Anmerkungen zu Shahroodma: Ich spreche nicht gut genug Persisch, um zu berurteilen, was Ahmadinejad in dieser Rede gesagt hat oder nicht. Ich vertraue aber Frau Amirpur, die im übrigen mit dieser Kritik nicht allein dasteht. Darüber hinaus ist es natürlich richtig, dass die Staatsbezeichnung an sich wenig aussagt. Der Verweis auf China oder die DDR ist in diesem Kontext sehr treffend.
Dennoch denke ich, dass die Bezeichnung "Islamische Republik" sehr wohl die Komplexität und Widersprüchlichkeit des iranischen Systems darlegt. Dieses System ist das Ergebnis der Revolution, die sowohl von Demokraten wie von Islamisten betrieben wurde.
Dass die Wahlen heute weder frei noch fair sind, bestreite ich dabei nicht. Dass aber ein Reformer wie Khatami gewählt werden kann, zeigt doch, dass eine gewisse Wahlfreiheit da ist (oder zumindest zeitweilig da war).
Abschließend möchte ich noch einmal bitten, von gegenseitigen Beleidungen im Forum Abstand zu nehmen.
ich habe die Rede von Ahmadinejad mitverfolgt. alleine der ausdruck "von der landkarte tilgen" ist im persischen eine sehr absurde ausdrucksweise. ich bin kein fanatiker und denke auch nicht in solchen mustern. zur palästina: viele iraner sind sensibilisiert für die bedürfnisse der palestinenser, da hier genau im gegenteil zur westlichen medien auch von den untaten der israelis berichtet wird. gewalt erzeugt mehr gegengewalt und eine gewaltspirale, das lernte ich in der 8. klasse in deutschland. rollenwechsel: ich bitte darum euch vorzustellen was passiert wäre wenn man zb bayern oder saarland den deutschen weggenommen hätte und mit einwanderungspolitik und massiver ausländischer unterstützung eine regierung installiert hätte. dabei ist es egal ob die einwanderer nun juden sind oder nicht - jude oder muslim, was soll der quatchgerede? wäre in so ein szenario, ein bayer oder saarländer, der sein land zurückhaben will ein terrorist? ich will damit gewalt nicht als mittel zur verteidigung verherrlichen - ich halte persönlich andere mittel angebrachter. wenn zb die extrem DRECKIGE presse ihr dreckiges volkshezerisches tun, lassen würde und brav die tatsachen berichtet und auch keine tatsachen verheimlicht. ich halte für die größte gefahr für die welt, die interessen von einigen wenigen mächtigen staaten und dessen propagandarohr - die wirklichen terroristen sind die desinformanten der medienwelt kreuz und quer durch den blumengarten, die uns bürger mit verzerrten auszügen und bildern aus der relalität bombardieren und wenn die unwahrheiten nicht mehr zu leugnen sind, uns häppchenweise mit kiritischer information zu besänftigen versuchen, so wie man einen hund ein stückchen knochen zuwirft. wer informiert sein will muss die presse aller seiten verfolgen und verdammt nochmal selber denken und nicht für sich denken lassen. in diesem sinne, grüße aus teheran
Wann hat doch gleich der Bund der Vertriebenen die letzte Rakete auf das von den Staaten Polen und Tschechien besetzte Schlesien abgefeuert? Und wer fordert demnächst, dass diese Besatzungsregime Geschichte werden?
Ich halte diesen 'Stellt euch vor, man nimmt Deutschland Land weg' Vergleich ja für unpassend, aber wenn du selbst damit anfängst...
Nach 60 Jahren müsste doch langsam die Erkenntnis reifen, dass man Israel dort nicht wegbekommt. Statt sich also auf dem Land, dass man hat eine Existenz aufzubauen (bei der vielen Unterstützung, Solidarität und Sympathie aus den islamischen Bruderländern sollte Geld und Technik doch zu haben sein) und diese sinnlosen Anschläge bleiben zu lassen, zieht man es vor, sich weiter an Israel die Zähne auszubeißen.
Was wäre wohl mit Deutschland passiert, wenn die sich nach dem Krieg so aufgeführt hätten wie die Palästinenser jetzt?
Alles was ich dazu sagen kann ist, dass ein Regime welches seine Bürger unterdrückt und benachteiligt niemals das richtige Regime sein kann.
Ein Regime, dass so viele Tote fordert ist definitiv fehl am Platze und hindern das Land voran zu kommen.
Der Fortschritt wird durch die Mullahs im Iran zurückgehalten.
Jeder der behauptet das Regime sei Menschenfreundlich und beachtet die Grundrechte jedes Menschen ist ein Lügner.
mfg